Zwei Celli, viele Farben
Konzert mit Stephanie Keus und Viola Venschott-Bucaliu im Gemeindezentrum der reformierten Gemeinde Meppen
Ein Konzert mit zwei Celli ist zunächst eine reizvolle Verheißung: zwei gleiche Instrumente, zwei ähnliche Klangräume — und doch die Frage, wie viel Abwechslung aus dieser scheinbaren Begrenzung entstehen kann. Stephanie Keus und Viola Venschott-Bucaliu gaben darauf am 10. April im Gemeindezentrum der reformierten Gemeinde Meppen eine überzeugende und überaus sympathische Antwort.
Im Rahmen der KiKuK-Reihe entfalteten die beiden Cellistinnen ein Programm, das weit durch die Musikgeschichte führte: von Albéniz über Bach bis Chaplin. Schon diese Spannweite ließ ahnen, dass der Abend nicht auf eine einzige Klangfarbe festgelegt war. Tatsächlich wurde das Cello hier nicht nur als warmes, singendes Instrument erlebt, sondern auch als rhythmisch waches, tänzerisches, manchmal beinahe erzählerisches Gegenüber.
Besonders schön war, wie die beiden Musikerinnen miteinander atmeten. Nichts wirkte vorgeführt oder angestrengt. Die Einsätze kamen sicher, die Stimmen griffen ineinander, und immer wieder entstand jener kammermusikalische Moment, in dem man nicht mehr fragt, wer führt und wer begleitet. Mal übernahm das eine Cello die melodische Linie, mal das andere; dann wieder verdichteten sich beide Stimmen zu einem gemeinsamen Klang, dunkel, rund und getragen.
Das abwechslungsreiche Programm half, die Möglichkeiten des Celloduos hörbar zu machen. Bei Bach stand die Klarheit im Vordergrund: Linien, Ordnung, innere Ruhe. Bei Albéniz durfte es farbiger werden, mit spanischem Kolorit, tänzerischer Bewegung und einem Hauch südlicher Wärme. Und bei Chaplin trat eine andere Seite hervor: leichtere Melancholie, Charme, fast filmische Erzählkraft. Gerade in solchen Übergängen zeigte sich die Stärke des Abends. Die Musikerinnen wechselten nicht nur die Stücke, sondern auch die Atmosphäre.
Sehr ansprechend war auch die Mischung aus Originalkompositionen für zwei Celli und eigenen Arrangements. Solche Bearbeitungen können leicht bloß zweckmäßig wirken; hier aber hatten sie musikalischen Sinn. Man spürte, dass die Stücke nicht einfach „auf zwei Celli verteilt“ wurden, sondern für diese Besetzung neu gedacht waren. Das machte den Abend lebendig und persönlich.
Unser Gemeindezentrum erwies sich dafür als passender Ort. Die Nähe zwischen Ausführenden und Zuhörenden tat der Musik gut. Kein großer Konzertsaal, keine distanzierte Bühne, sondern ein Raum, in dem man die Bögen sah, die Atembewegungen wahrnahm und die Zwischentöne nicht verloren gingen. Gerade diese Unmittelbarkeit passte zur KiKuK-Reihe: Kirche und Kultur nicht als große Behauptung, sondern als gastfreundlicher Raum, in dem Musik Menschen zusammenführt.
Stephanie Keus und Viola Venschott-Bucaliu spielten mit sichtbarer Freude, sicherem Können und einer wohltuenden Natürlichkeit. Ihr Konzert war kein Abend der lauten Effekte, sondern einer der feinen Abstufungen: warm im Ton, aufmerksam im Zusammenspiel, freundlich in der Ausstrahlung und liebevoll in der Gestaltung.
So blieb am Ende der Eindruck eines gelungenen Kammermusikabends: zwei Celli, zwei Musikerinnen, ein weiter musikalischer Bogen — und ein Publikum, das spüren durfte, wie reich ein scheinbar kleines Format klingen kann
Gert Veldmann



