Ein Abend voller Stimmen, Witz und guter Laune im reformierten Gemeindezentrum
Ein voller Saal, gespannte Erwartung und am Ende ein Publikum, das die Sänger nur ungern ziehen ließ: Das Konzert der A-cappella-Gruppe Wirsing am 08. Mai 2026 in der Reihe KiKuK wurde zu einem rundum gelungenen Abend. Im reformierten Gemeindezentrum zeigte die Formation, warum sie sich mit augenzwinkerndem Selbstbewusstsein als „älteste Boygroup der Grafschaft Bentheim“ bezeichnen darf. Was zunächst wie ein humorvoller Werbespruch klingt, erwies sich im Laufe des Konzerts als treffende Beschreibung einer Gruppe, die musikalische Erfahrung, Charme und Selbstironie auf besonders sympathische Weise verbindet.
Schon nach den ersten Stücken war klar: Hier steht kein Ensemble auf der Bühne, das sich nicht über große Gesten definieren muss. Wirsing überzeugt vielmehr durch Nähe zum Publikum, stimmige Arrangements und eine wohltuend entspannte Bühnenpräsenz. Die Sänger präsentierten ihr Programm mit jener Mischung aus Genauigkeit und Leichtigkeit, die gute A-cappella-Musik ausmacht. Man hörte, dass hier über viele Jahre gemeinsam gesungen, ausprobiert und gefeilt wurde. Gleichzeitig blieb der Auftritt angenehm unverkrampft. Gerade darin lag der besondere Reiz des Abends.
Das Repertoire war abwechslungsreich und mit viel Liebe zusammengestellt. Jazzige Barbershop-Anklänge wechselten mit Popballaden, bekannten Melodien und überraschenden textlichen Wendungen. Auch humorvolle Bearbeitungen fanden ihren Platz. Mal klang es schwungvoll, mal nachdenklich, mal augenzwinkernd frech. Die Gruppe verstand es, die einzelnen Stücke nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch und sprachlich miteinander zu verbinden. So entstand kein bloßes Aneinanderreihen von Liedern, sondern ein unterhaltsamer Konzertabend mit eigenem Charakter.
Besonders schön war, wie Wirsing das Publikum mitnahm. Die gute Stimmung im Saal war von Beginn an spürbar und steigerte sich im Laufe des Abends immer weiter. Zwischen den Liedern sorgten kleine Kommentare, feine Selbstironie und humorvolle Ansagen für viele Lacher. Dabei wirkte nichts aufgesetzt. Die Sänger blieben sich selbst treu: bodenständig, herzlich und mit sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren.
Gerade diese Freude übertrug sich auf die Zuhörerinnen und Zuhörer. Das volle Haus im reformierten Gemeindezentrum dankte es mit kräftigem Applaus. Nach dem offiziellen Schluss war noch lange nicht Schluss: Mehrere Zugaben mussten her, bevor das Publikum die Gruppe endgültig entließ. Das ist vielleicht das schönste Kompliment, das man einem Ensemble machen kann: Man möchte einfach noch mehr hören.
Wirsing bewies an diesem KiKuK-Abend, dass musikalische Qualität nicht kühl oder distanziert daherkommen muss. Sie kann warmherzig sein, humorvoll, lebensnah und trotzdem sorgfältig gearbeitet. Die Gruppe bot keine glatte Show von der Stange, sondern einen Abend mit Persönlichkeit. Ihre Musik hatte Witz, Schwung und Seele — und genau damit traf sie den Nerv des Publikums.
So bleibt das Konzert als ein Abend in Erinnerung, an dem vieles zusammenpasste: ein gut gefüllter Saal, ein aufmerksames und begeistertes Publikum, ein vielseitiges Programm und Sänger, die ihre Freude am Singen glaubwürdig weitergaben. Die Reihe KiKuK hat mit diesem Auftritt einmal mehr gezeigt, wie lebendig Kultur vor Ort sein kann. Wirsing lieferte dafür den besten Beweis: A cappella, mit Humor, mit Herz — und mit lang anhaltendem Applaus.
Gert Veldmann



