#digitalekirche

Noch vor einigen Wochen hätte wohl kaum jemand geglaubt, dass Gottesdienste live auf sämtlichen youtube-Kanäle zu sehen sein würden,  gesendet aus dem Pfarrbüro oder der leeren Kirche, manchmal sogar vom Sofa. Und nicht nur das, dazu Andachten, Gebete, Texte auf allen Kanälen des sozialen Netzwerk. Auf facebook, instagram und twitter entstanden innerhalb kürzester Zeit neue Angebote, live-Kindergottesdienst, insta-Gottesdienste, Fotobotschaften, und vieles mehr. Und es wird eine spannende Zeit nach Corona werden, wenn sich die Frage stellt, was soll bleiben von den neuen Angeboten, was brauchen wir davon dann noch, was nicht. WO können wir etwas verändern, lernen oder mitnehmen.

Doch ganz neu ist das alles dann auch wieder nicht. Denn seit einiger Zeit gibt es gerade auf instagram und twitter den Hashtag #digitalekirche. Dahinter verbirgt sich eine ganze Menge. Pfarrer und Pfarrerinnen die auf ganz unterschiedliche Weise aus ihrem Berufs- und Familienalltag berichten, aber auch Landeskirchen, wie zum Beispiel die Nordkirche, Vikarskurse, Vikare und Vikarinnen, Theologiestudierende, Religionspädagogen und viele andere kirchliche Mitarbeitende aller Altersgruppen, aber auch einfach Menschen, die von ihrem Glauben erzählen wollen, präsentieren sich dort. Der eine berichtet über seine Liebe für Kaffee und fragt nebenbei nach Anregungen für seine Predigt, eine andere erzählt auch schon mal über ihre Überforderung, Beruf und Kinder als Alleinerziehende unter einen Hut zu bringen. Bei allen steht der Glaube im Vordergrund. Andere versuchen sich mit regelmäßigen Videobeiträgen auf Youtube in Szene zu setzen und andere haben eine eigene Podcastreihe. Auffällig bereits vor Corona wurden sämtliche Medien auf die Pfarrer und Pfarrerinnen im Sozialen Netzwerk aufmerksam.  So war die Berliner Pfarrerin Theresa Brückner in der Bildzeitung, Berliner Zeitung, in ARD Brisant und im Sat.1 Frühstücksfernsehen zu sehen und im Deutschlandfunk zu hören. Überall erzählte sie von ihrer Arbeit als Pfarrerin im Digitalen Raum und in Berlin Tempelhof. Sie ist auf Twitter und Instagram aktiv und auch auf youtube findet man sie als theresaliebt. Sie zeigt in ihren Videos ohren Weg zum Gottesdienst, beantwortet fragen und berichtet zum Beispiel, was die Bibel zu Sex vor der Ehe sagt. Sie berichtete täglich aus ihrer 24 tägigen Quarantäne, las in dieser Zeit online aus der Bibel vor und war bei zdf37Grad zu sehen.
Eine andere Influencerin, also eine, die in den sozialen Netzwerken regelmäßig aktiv ist, ist Josephine Teske, Pfarrerin aus Schleswig-Holstein. Sie schreibt über feministische Themen, gibt  in ihren Stories sehr privaten Einblick in ihr Seelen- und Berufsleben und kennt sich hervorragend mit Musik aller Art aus. Sie war bei „AufKlo“ zu Gast, die Zeitonline und die Süddeutsche Zeitung berichteten vor kurzem über sie und gerade begleitete sie ein NDR Team zum Thema Beten und zu Arbeit in der Coronazeit. Ausserdem hat sie gleich zu Beginn der Einschränkungen das Netzwerk „herz.netz.werk“ gegründet und betreut es. Es ist eine Instagramseite auf der Menschen, die am Glauben interessiert sind täglich Gebete, Musikbeiträge, Basteltipps und vieles mehr veröffentlichen um eine Oase in Zeiten von Corona zu haben. Das Netzwerk war erst einmal bis Ostern angedacht, aufgrund des großen Interesses geht es aber wohl noch weiter mit dem herz.netz.werk.

Regelmäßig zeigen sich Ellen und Steffi Radtke auf ihrem youtube-Kanal andersamen. Sie sind miteinander verheiratet, beide sind Pfarrerin und sie leben in Eime. Auf youtube geben sie Einblick in ihr gemeinsames Leben, diskutieren, ob sie an freien Sonntagen in den Gottesdienst gehen sollten oder lieber auf dem Sofa bleiben, berichten von ihrer Schwangerschaft, beantworten Fragen und erzählen vom ersten Kennenlernen.

Man könnte bei den drei konkreten Beiträgen den Eindruck bekommen, das die #digitalekirche eine weibliche ist, dem ist aber nicht so. Auch viele Pfarrer posten regelmäßig. Zum Beispiel Nicolai Opifanti @pfarrerausplatik, Jörg Nieser als @wasistdermensch oder Nico Ballmann als @einschpuk, um einmal eine winzige Auswahl vom Angebot der #digitalekirche zu nennen.

Vielleicht sind sie selber in den sozialen Netzwerken unterwegs und haben nun eine kleine Anregung bekommen, wo sie mal vorbeischauen mögen. Vielleicht waren sie bisher noch nicht auf einer der genannten Plattformen, würden es nun aber gerne eine probieren, sie sind unsicher oder haben technische oder sonstige Fragen, dann melden sie sich gerne. Und vielleicht haben sie gerade kaum ein Wort von dem Verstanden, was da steht, vielleicht weil sie kein Internet haben, dann scheuen sie sich erst recht nicht, nachzufragen.

Annelen Tandara

 

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